40 Jahre Partikelforschung/40 Years of Particle Research

Bern, 11.-13. Februar 2009

Abstract


Michael Richter
(Nijmegen):
Partikelverben und resultative Konstruktionen im Deutschen


Verbpartikel verändern die syntaktischen Möglichkeiten von deutschen Verben, wie in (1) und (2) deutlich wird. Die a-Sätze sind Resultativkonstruktionen mit satzfinalem Adjektiv, die b-Sätze sind Partikelverb-Konstruktionen, die kein satzfinales Adjektiv in resultativer Funktion zulassen. Das zeigen die c-Sätze:

(1)    a    die Oma schneidet den Kürbis klein
        b    die Oma schneidet den Kürbis auf
        c    *die Oma schneidet den Kürbis auf klein

(2)    a     der Vater macht den Fernseher kaputt
        b    der Vater macht den Fernseher aus
        c    *der Vater macht den Fernseher aus kaputt

Eine intuitive Erklärung für die Kontraste in (1) und (2) lautet, dass die Partikeln die semantische Struktur von Verben resultativ erweitern. Dadurch ist ein Adjektiv in resultativer Funktion nicht mehr möglich. Anhand einer Studie mit 67 semantisch und syntaktisch heterogenen Verben wird  die obige Annahme statistisch überprüft.  Die Frage ist dabei, von welchen semantischen Teileigenschaften von (Partikel-)Verben es abhängt, ob Verben eine resultative Konstruktion mit satzfinalem Adjektiv bilden können.

Resultat: Es existiert ein  Regressionsmodell mit drei semantischen Verbfaktoren: (a) Aspekt, (b) Zeitschema und (c) dem semantischem Verhältnis zwischen Verb und dem direkten Objekt. Dieses Modell erklärt, warum Partikelverben keine resultative Konstruktion bilden können: So verändern Verbpartikel wie auf und aus die Semantik der Basisverben schneiden und machen in den obigen Beispielsätzen (1) und (2). Die beiden Basisverben drücken Prozesse aus. Durch die Verbpartikel jedoch ergeben sich zwei semantische Veränderungen: (a) die Verben bekommen perfektiven Aspekt, (b) die Resultatszustände werden durch auf und aus spezifiziert.

Das Modell teilt die in der Studie untersuchten Verben nach semantischen und syntaktischen   Eigenschaften in fünf Klassen ein und erfasst die Beobachtung, dass Verbpartikel die syntaktischen Möglichkeiten ihrer Basisverben verändern: Partikelverben gehören zu anderen Verbklassen als die ursprünglichen Basisverben.


zurück zur Vortragsliste/back to list of papers zurück zum Tagungsplan/back to schedule