40 Jahre Partikelforschung/40 Years of Particle Research

Bern, 11.-13. Februar 2009

Abstract


Ekkehard König (Berlin)
Partikeln als metapragmatische Instruktionen: generelle Dimensionen der Analyse ihres Inhalts

Die Überlegungen meines Vortrags gelten nicht der Syntax sondern den Inhalten (Semantik und/oderPragmatik) von Partikeln und wie H. Weydt es in vielen seiner Analysen getan hat, werde ich meinen Phänomenbereich etwas weiter abstecken, als es die Bezeichnung „Abtönungspartikeln“ oder „Modalpartikeln“ üblicherweise suggeriert. Nach der Diskussion einiger methodischer Probleme(Abstraktion von konkreten Verwendungen, atomistische vs. strukturelle Vorgehensweise, Interaktionmit dem Ko-text, etc.) werde ich versuchen zu zeigen, dass Modalpartikeln und ähnliche Adverbien im Deutschen als metapragmatische Instruktionen im Sinne der Relevanztheorie, d.h. als Instruktionen zu analysieren sind, in welchen Kontexten die sie enthaltenden Sätze und Äußerungen zu verarbeiten sind. Dabei knüpfe ich sowohl an frühere programmatische Aufsätze an (cf. König, 1997) als auch an ein mit zwei Ko-autoren erstelltes Partikelwörterbuch (König, Stark & Requardt, 1990). Ich werde zeigen, dass u. a. folgende generelle Dimensionen des Inhalts für Partikeln und Adverbien anzusetzen sind:
  • Partikeln können einen Kontextwechsel signalisieren (eigentlich) oder aber auf einen aktuellen bzw. vorausgehenden Kontext verweisen (denn, doch, auch).   
  • Partikeln und Adverbien können die Beziehung der enthaltenden Proposition zu diesem Kontext in unterschiedlicher Weise kennzeichnen: als Widerspruch (doch), als Folgerung (eben, halt, wohl, etwa), als Prämisse (nun mal, schließlich), als Begründung (nämlich)
  • Partikeln können als Ausdrücke der Evidenzialität auf einen Kontext verweisen (ja, bloß).
  • Partikeln können eine Kontexterweiterung signalisieren (überhaupt, auch).
  • Partikeln können eine Skalierung in Bezug auf kontextuell gegebene Alternativen ausdrücken (mal, erst, etwa).
Diese Analyse, die in einem letzten Schritt von anderen Auffassungen abzugrenzen ist (Partikeln als illokutionäre Indikatoren, Partikeln als Ausdrucksmittel der Höflichkeit, etc.) wird sicherlich nicht jeder Nuance der Verwendung von Partikeln gerecht, bietet aber eine generelle Orientierung, die über einzelne atomistische Analysen weit hinaus geht.


Literaturangaben
  • König, E. & D. Stark & S. Requardt (1990). Adverbien und Partikel. Ein deutsch-englisches Wörterbuch. Heidelberg: Julius Groos (jetzt: Stauffenburg/Tübingen).
  • König, Ekkehard (1997). „Zur Bedeutung von Modalpartikeln im Deutschen: Ein Neuansatz im Rahmen der Relevanztheorie“, Germanistische Linguistik, 136: 57-75.


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